Ipsum statt Jahreszahl: WordPress bekommt ein neues Standard-Theme, und Gutenberg 24.0 bringt Galerie-Raster und Titel-Versionen
Ipsum löst die Twenty-Themes ab: leere Leinwand für WordPress 7.2. Gutenberg 24.0 bringt Galerie-Raster je Breakpoint und Versionen für den Titel.


Zum ersten Mal seit 2010 wird das nächste Standard-Theme von WordPress keinen Jahresnamen tragen. Das Core-Team hat am 16. September 2026 „Ipsum“ vorgestellt, ein bewusst minimales Blog-Theme, das mit WordPress 7.2 im Dezember ausgeliefert werden soll. Am selben Tag erschien Gutenberg 24.0 mit einem Galerie-Raster, das sich je Bildschirmbreite einstellen lässt, und Versionsvergleichen für den Beitragstitel. Beides zusammen zeigt, wohin sich der Block-Editor entwickelt: weg von Vorgaben, hin zu einer leeren Leinwand mit guten Werkzeugen. Für Sie als Betreiber lohnt sich ein Blick, auch wenn Sie ein eigenes Theme nutzen.
Ipsum: die leere Leinwand
Der Name spielt auf „Lorem ipsum“ an, den Platzhaltertext, der eine Seite füllt, bis echte Inhalte kommen. Genau so versteht das Team das Theme: ruhig genug, um für sich zu stehen, und darauf angelegt, sich zu verwandeln, sobald jemand zu schreiben beginnt. Die Gestaltung bleibt zurückhaltend: gepunktete Unterstreichungen wie vom Redaktionsstift, eine Handvoll Schriftkombinationen und Stilvarianten, die die ganze Seite samt Bildern umfärben. Nach Angaben des Teams erfüllt jede Kombination die Kontrastanforderungen nach WCAG AA. Kopfbereiche, Hero-Abschnitte und Seitenleisten sind vorhanden, treten aber erst in Erscheinung, wenn man sie braucht.
Interessant ist die Vorgeschichte. Begonnen hatte die Arbeit als „Mētis“, ein ausdrucksstarkes Theme für Autoren und Kreative, das die Möglichkeiten des Editors vorführen sollte. Nach Rücksprache mit Matt Mullenweg wurde umgeschwenkt: Das mitgelieferte Theme soll der einfachste mögliche Startpunkt sein. Mētis bleibt als eigenes Theme in Arbeit, wird aber nicht mit 7.2 ausgeliefert. Mit der Entscheidung endet auch die Jahresbenennung. Künftige Standard-Themes bekommen eigene Namen und werden abgelöst, wenn die Gestaltung es verlangt, nicht wenn der Kalender es vorgibt.
Ipsum steht ab sofort auf GitHub zum Testen bereit. Der Stand entspricht der Designarbeit, die formale Entwicklungsprüfung folgt. Das Zeitfenster bis 7.2 ist knapp, und das Team bittet ausdrücklich um Rückmeldungen, was fehlt und was nicht funktioniert.
Gutenberg 24.0: drei Neuerungen, die im Alltag auffallen
Das Gutenberg-Plugin liefert alle zwei Wochen, was später in den WordPress-Kern wandert. Aus Version 24.0 halte ich drei Punkte für relevant:
- Galerie als Raster: Der Galerie-Block bekommt eine Raster-Variante, die das bisherige, nicht editierbare Flex-Layout ersetzt. Spaltenzahl und Bildzuschnitt lassen sich je Breakpoint festlegen, also etwa vier Spalten am Desktop und zwei am Tablet, ohne eigenes CSS.
- Versionen für den Titel: Die visuellen Revisionen zeigen jetzt auch Änderungen am Beitragstitel im Vergleich an. Bisher musste man raten, wann ein Titel umbenannt wurde.
- Seitentitel füllt die Breite: Der Block „Website-Titel“ kann seine Schriftgröße an den verfügbaren Platz anpassen, statt in einer festen Punktgröße umzubrechen.
Dazu kommen ein neu gezeichneter Icon-Satz mit einheitlicher Strichstärke, Tab und Umschalt+Tab zum Ein- und Ausrücken von Listenpunkten, Hintergrundbilder direkt per URL und sichtbare geschützte Leerzeichen im Editor. Kleinigkeiten, aber genau die, über die Redakteure täglich stolpern.
Was das für Ihre Website bedeutet
Wenn Ihre Website auf einem Block-Theme läuft, kommen die Editor-Funktionen mit dem nächsten Kernupdate zu Ihnen. Das Galerie-Raster ersetzt in vielen Fällen ein Plugin. Läuft Ihre Seite auf einem klassischen Theme oder einem Page-Builder, ändert sich am Frontend nichts. Ipsum selbst werden die wenigsten Unternehmen einsetzen, so wie kaum jemand Twenty Twenty-Five nutzt. Es ist aber das Theme, das nach einem Konflikt als Rückfall aktiv wird, und es zeigt, welche Gestaltungsmittel der Editor ohne Zusatzsoftware beherrscht. Wer einen Relaunch plant, sollte das kennen, bevor er sich für einen Page-Builder entscheidet. Wo ich die Grenze ziehe, beschreibe ich unter WordPress und in meinen Design-Beispielen.
Ein praktischer Hinweis: Das Gutenberg-Plugin auf einer Live-Seite zu installieren, nur um die Funktionen früher zu haben, rate ich ab. Es ist die Entwicklungsversion des Editors. Für einen Test genügt eine Staging-Kopie oder WordPress Playground im Browser.
Quellen
- Make WordPress Core: Introducing Ipsum, the new default theme
- Make WordPress Core: What's new in Gutenberg 24.0? (16 September)
Kurz beantwortet
Was ist Ipsum?
Das vorgeschlagene neue Standard-Theme für WordPress 7.2: ein minimales Block-Theme als leere Leinwand, mit Stilvarianten und barrierefreien Kontrasten. Es ersetzt die Jahresnamen der Twenty-Themes.
Muss ich mein Theme wechseln?
Nein. Ipsum wird mitgeliefert, ersetzt aber kein eingerichtetes Theme. Es dient als Startpunkt und als Rückfall, falls Ihr Theme einmal ausfällt.
Wann kommen die Gutenberg-24.0-Funktionen in meine Installation?
Mit dem nächsten Hauptrelease, WordPress 7.2, das für Dezember 2026 geplant ist. Vorher nur über das Gutenberg-Plugin, das ich auf Live-Seiten nicht empfehle.
Konrad Griesser
Webdesigner & SEO-Experte aus Augsburg — seit 1999