Ein Abend, ein Fachartikel über Mustererkennung, und eine Frage, die mich seitdem nicht mehr loslässt.


Ich bin gestern Abend über einen Fachartikel gestolpert, in dem es um sogenannte lernende Systeme ging — Programme, die nicht mit fest programmierten Regeln arbeiten, sondern aus großen Mengen an Beispieldaten selbst Muster ableiten. Erkennung von Handschrift, von Sprache, irgendwann vielleicht auch von Bildern.
Ich bin kein Informatiker, ich verstehe nur einen Bruchteil der mathematischen Grundlagen. Aber als jemand, der jeden Tag Websites baut und dabei ziemlich viele sich wiederholende Entscheidungen trifft — welche Schriftgröße wo, welcher Aufbau für welche Branche funktioniert, welche Formulierung bei welcher Zielgruppe ankommt —, stelle ich mir eine unbequeme Frage: Wie viel davon ist eigentlich Handwerk, und wie viel ist am Ende nur Mustererkennung, die auch eine Maschine lernen könnte, wenn sie genug Beispiele sieht?
Ich will das nicht dramatisieren. Wir sind meilenweit von irgendetwas entfernt, das eine Website eigenständig entwerfen könnte. Aber ich habe seit gestern diesen Gedanken im Kopf, dass sich das, was ich heute als kreative Entscheidung empfinde, in zwanzig Jahren vielleicht als recht vorhersehbares Muster entpuppt. Vielleicht bin ich da zu früh dran mit dem Gedanken. Vielleicht auch nicht. Ich schreibe es mir jedenfalls auf, um in ein paar Jahren nachzusehen, ob ich damit richtig oder falsch lag.
Webdesigner & SEO-Experte aus Augsburg — seit 1999