Die E-Mail von OpenAI kam an einem gewöhnlichen Dienstagnachmittag. Nichts an diesem Nachmittag blieb danach gewöhnlich.


Die Bestätigungsmail kam am Dienstagnachmittag, während ich eigentlich an einem Angebot für einen Kunden gesessen habe. Zugang zur GPT-3-API. Ich habe das Angebot liegengelassen.
Mein erster Test war fast schon albern banal: Ich habe einen halben Satz über einen Handwerksbetrieb eingegeben und geschaut, was passiert. Was zurückkam, war nicht nur grammatikalisch korrekt — das kannte ich schon vom Vorgängermodell. Es war inhaltlich stimmig, über mehrere Absätze hinweg, mit einem roten Faden, der nicht abriss. Ich habe den Text zweimal gelesen, weil ich nicht glauben konnte, dass da niemand mitgeschrieben hat.
Dann habe ich angefangen zu testen, was das Modell sonst noch kann, wenn man es nicht nur Text vervollständigen lässt, sondern ihm eine konkrete Aufgabe gibt. Ich habe eine kurze, holprige Produktbeschreibung eingegeben und gebeten, sie in einem professionelleren Ton umzuschreiben. Das Ergebnis war besser als das, was ich selbst in der Eile geschrieben hätte. Ich habe eine Frage auf Englisch gestellt und um eine deutsche Zusammenfassung gebeten. Es hat funktioniert, ohne dass ich irgendetwas trainiert oder programmiert hätte. Nur eine Anweisung in normaler Sprache.
Ich saß danach wirklich fast zwei Stunden nur da und habe nachgedacht. Nicht aus Euphorie allein, auch aus einer Art Unruhe. Wenn eine Maschine, mit der man einfach in normaler Sprache redet, solche Ergebnisse liefert, verändert das etwas an der Arbeit, die ich seit Jahren mache — Texte schreiben, formulieren, überarbeiten. Ich weiß noch nicht, was genau das bedeutet. Aber ich bin mir sicher, dass es etwas bedeutet.
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