Intent-Driven Design: Wenn die Website fragt, was Sie erreichen wollen, statt zehn Klicks zu verlangen
Smashing Magazine erklärt den Abschied vom Klickpfad. Was Intent-Driven Design für eine Unternehmenswebsite bedeutet und was Sie heute schon umsetzen können.


Ein Flug ist online in rund zehn Klicks gebucht: Hin- und Rückflug wählen, Abflugort tippen, Ziel tippen, Kalender öffnen, Passagiere zählen, suchen, filtern, sortieren, durch die Kasse. Smashing Magazine hat diesen Ablauf am 9. September 2026 zum Anlass genommen, das Ende des Knopfes auszurufen: Unter dem Titel „The Death Of The Button“ beschreibt der Beitrag, wie KI-gestützte Oberflächen den Klickpfad durch eine einzige Frage ersetzen. Was wollen Sie erreichen? Den Rest erledigt die Software im Hintergrund. Für Sie als Betreiber einer Unternehmenswebsite lohnt sich ein nüchterner Blick darauf, was davon heute schon zählt.
Was Smashing Magazine beschreibt
Der Autor nennt den Ansatz Intent-Driven Design. Statt den Nutzer Menüs lernen zu lassen, nimmt die Anwendung sein Ziel in Alltagssprache entgegen, etwa „ein Direktflug nach Chicago am nächsten Wochenende, Ankunft vor 17 Uhr“, führt die Suche selbst aus, vergleicht und liefert ein Ergebnis. Als Beispiele dienen Werkzeuge wie Perplexity, die statt zehn blauer Links eine zusammengefasste Antwort liefern. Die gedankliche Grundlage ist älter als die aktuelle KI-Welle: Golden Krishnas „The Best Interface Is No Interface“ und Don Normans Prinzipien menschzentrierter Gestaltung. Neu ist, dass Sprachmodelle die Absicht hinter einer Eingabe zuverlässig genug erkennen, um sie in Handlungen zu übersetzen.
Laut Smashing Magazine verschiebt sich damit die Rolle der UX-Gestaltung: weg vom Entwerfen sichtbarer Bedienelemente, hin zur Steuerung transparenter, absichtsgetriebener Abläufe. Der Beitrag ist eine Einschätzung, keine Studie. Ich halte ihn trotzdem für lesenswert, weil er eine Entwicklung beschreibt, die ich in Kundenprojekten bereits spüre.
Was das für eine Unternehmenswebsite bedeutet
Die wenigsten Websites von Handwerksbetrieben, Praxen oder Kanzleien sind Flugportale. Trotzdem gilt derselbe Mechanismus: Jeder Schritt zwischen dem Wunsch des Besuchers und dem Ergebnis kostet Sie Anfragen. Wenn jemand wissen will, ob Sie am Samstag Termine anbieten, und dafür erst das Menü, dann die Leistungsseite, dann ein Formular durchlaufen muss, ist er oft vorher weg.
Intent-Driven Design heißt für Sie nicht, alle Knöpfe zu entfernen. Es heißt, den Weg vom Ziel zum Ergebnis so kurz wie möglich zu machen. In meiner Arbeit an Websites für kleine und mittlere Unternehmen zeigt sich das an drei Stellen:
- Kontaktaufnahme: Telefonnummer, Terminbuchung und Kontaktformular gehören auf jede Seite, nicht nur auf die Kontaktseite. Ein Besucher, der anrufen will, soll nicht suchen müssen.
- Häufige Fragen: Öffnungszeiten, Preise, Einzugsgebiet, Ablauf einer Beauftragung. Wer das direkt beantwortet, erspart dem Besucher den Klickpfad, den Smashing Magazine kritisiert.
- Formulare: Jedes Feld, das Sie nicht zwingend brauchen, kostet Abschlüsse. Ein Feld für das Anliegen in freien Worten ist oft besser als fünf Pflichtfelder mit Auswahllisten.
Die zweite Zielgruppe: KI-Assistenten
Der Beitrag beschreibt vor allem, wie Menschen künftig mit Software sprechen. Die Kehrseite ist, dass diese Software Ihre Website liest und für den Nutzer zusammenfasst. Wenn ChatGPT, Perplexity oder der KI-Modus von Google die Frage „Welcher Dachdecker in Augsburg macht Notdienst?“ beantworten, dann aus dem, was auf Ihrer Seite maschinenlesbar steht. Klare Überschriften, vollständige Leistungsbeschreibungen, strukturierte Daten für Adresse und Öffnungszeiten sind dafür die Voraussetzung. Wie das technisch aussieht, habe ich in meinem Beitrag zur Website als Datenquelle für KI-Agenten beschrieben.
Was ich nicht empfehle: einen Chatbot als Ersatz für eine ordentliche Struktur. Ein Assistent, der auf einer unklaren Website sitzt, erfindet Antworten oder verweist auf das Kontaktformular. Die Klarheit muss zuerst im Inhalt stecken, dann kann eine Eingabezeile sie zugänglicher machen.
Was Sie jetzt tun können
- Zählen Sie die Klicks von der Startseite bis zur Anfrage für Ihre drei wichtigsten Anliegen. Mehr als zwei sind zu viele.
- Schreiben Sie die zehn häufigsten Kundenfragen auf und prüfen Sie, ob die Website sie in einem Absatz beantwortet.
- Kürzen Sie Formulare auf Name, Kontaktweg und ein freies Textfeld. Alles Weitere klären Sie im Gespräch.
- Prüfen Sie, ob Adresse, Öffnungszeiten und Leistungen als strukturierte Daten hinterlegt sind.
Der Knopf stirbt nicht. Er wird nur unwichtiger als das, was dahinter passiert. Wer seine Website heute auf klare Ziele und kurze Wege ausrichtet, ist für beide Leser gerüstet: für Menschen und für die Assistenten, die für sie suchen.
Quellen
Kurz beantwortet
Was ist Intent-Driven Design?
Ein Gestaltungsansatz, bei dem die Anwendung das Ziel des Nutzers in eigenen Worten entgegennimmt und die Einzelschritte selbst ausführt, statt ihn durch Menüs und Formulare zu führen.
Muss ich die Knöpfe auf meiner Website entfernen?
Nein. Entscheidend ist, dass der Weg vom Anliegen zum Ergebnis kurz ist: sichtbare Kontaktwege, direkt beantwortete Fragen, schlanke Formulare.
Wie bereite ich meine Website auf KI-Assistenten vor?
Mit klaren Überschriften, vollständigen Leistungstexten und strukturierten Daten für Adresse, Öffnungszeiten und Angebot. Assistenten fassen zusammen, was sie lesen können.
Konrad Griesser
Webdesigner & SEO-Experte aus Augsburg — seit 1999