Eine kleine Geschichte über Geschmacksfragen, Kompromisse und warum man manchmal einfach nachgeben muss.


„Das sieht doch freundlich aus", sagte er, und meinte die Schriftart. Comic Sans. Für die Website eines Steuerberaters.
Ich habe versucht, es ihm auszureden. Ich habe von Seriosität gesprochen, von Lesbarkeit, von dem, was seine Mandanten wohl denken würden. Er hat genickt, höflich zugehört — und beim nächsten Treffen wieder mit dem Ausdruck in der Hand dagestanden, auf dem alles in Comic Sans stand.
Irgendwann habe ich aufgehört zu kämpfen. Wir haben uns auf einen Kompromiss geeinigt: Die Überschriften bekommen eine seriöse Serifenschrift, die Fließtexte eine klare Groteskschrift — und er durfte Comic Sans für eine einzige Sprechblasengrafik auf der Startseite verwenden, in der ein gezeichnetes Männchen „Willkommen!" sagt.
Er war zufrieden. Ich war zufrieden, weil der Rest der Seite vernünftig aussieht. Und ehrlich gesagt: Die Sprechblase ist inzwischen das, worüber sich Besucher bei ihm im Gespräch am meisten amüsieren. Manchmal hat der Kunde eben doch ein Gespür dafür, was bei seinen eigenen Leuten ankommt — auch wenn es meinem Geschmack komplett widerspricht.
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