Markensuche ohne Marke: Warum Google den Firmennamen jetzt selbst erklärt und was die US-Zahlen für Deutschland heißen
Drei Datensätze aus drei Wochen: KI-Übersichten bei vier von fünf Markensuchen, das Unternehmensprofil als KI-Text, Betriebswebsites als Hauptquelle lokaler Antworten. Was die Studien messen, was sie nicht messen, und wie Sie Ihre Markensuche in der Search Console überwachen.


Die sicherste Position, die eine Website hat, ist Platz eins für den eigenen Namen. Genau diese Position verliert gerade ihren Wert. Ahrefs hat am 2. Oktober 2026 gemessen, dass in den USA bei 82,9 Prozent aller Markensuchen eine KI-Übersicht erscheint, in drei von vier Fällen über dem Eintrag des Unternehmens. Im Juli waren es noch 61 Prozent. Zwei Wochen zuvor hatte Google begonnen, den Infokasten lokaler Betriebe auf dem Smartphone als „AI Overview“ zu kennzeichnen und mit einem Text zu füllen, den ein Sprachmodell aus Website, Bewertungen und fremden Seiten zusammensetzt. Wer heute in den USA einen Firmennamen eingibt, liest also zuerst Googles Text über die Firma, nicht deren eigenen.
In Deutschland ist davon noch nichts zu sehen. Dieser Beitrag führt die drei Datensätze zusammen, die in den letzten drei Wochen erschienen sind, erklärt, was sie messen und was nicht, überträgt sie auf den deutschen Markt und beschreibt, wie Sie Ihre eigenen Markensuchen ab heute in der Search Console beobachten. Er ergänzt die Augsburger Beobachtungen aus Ein Jahr AI Overviews um die Markenperspektive.
Datensatz eins: Ahrefs, 232,8 Millionen US-Suchergebnisse
Ryan Law von Ahrefs hat Desktop-Suchergebnisse aus den USA von Juli bis September 2026 ausgewertet, darunter 92,5 Millionen Suchen nach Markennamen. Der Anteil mit KI-Übersicht stieg über den Sommer stetig und lag am 29. September bei 82,9 Prozent. Noch im November 2025 hatte Ahrefs festgehalten, dass KI-Übersichten bei Markensuchen deutlich seltener sind als bei allgemeinen Suchen. Dieser Unterschied ist weitgehend verschwunden. In 76 Prozent der Fälle steht die Übersicht an erster Position.
Aufschlussreicher als die Quote ist die Herkunft des Textes. Für eine Stichprobe von 100 großen Marken hat Ahrefs ausgewertet, welche Domains die KI-Übersicht verlinkt: Wikipedia in 72 Prozent der Fälle, YouTube in 39 Prozent, LinkedIn in 23 Prozent. Die Website der Marke selbst war eine Quelle unter mehreren. Google beschreibt die Marke also bevorzugt aus dem, was Dritte über sie schreiben.
Was die Zahl nicht sagt: Sie stammt aus den USA, vom Desktop und aus einer Keyword-Datenbank, in der große Marken überproportional vertreten sind. Ein Installateur aus Friedberg mit 300 Markensuchen im Monat kommt in dieser Stichprobe kaum vor. Für ihn lässt sich die Quote nicht übernehmen, die Richtung schon.
Datensatz zwei: DemandSphere, der Sprung im September
Ray Grieselhuber von DemandSphere hat am 1. Oktober eine zweite, unabhängige Messung veröffentlicht. In seinem Keyword-Set stieg der Anteil der Markensuchen mit KI-Übersicht innerhalb des Septembers von 26 Prozent am 1. September auf 82 Prozent am 29. September, mit einer Spitze von gut 90 Prozent am 27. September. Die Messung umfasst alle Märkte und Geräte, die DemandSphere für Kunden beobachtet, ist also kein reines US-Bild.
Dass zwei Anbieter mit unterschiedlichen Datenbanken und Methoden im selben Zeitraum denselben Sprung sehen, macht den Befund belastbar. Was beide nicht beantworten können: ob Google den Schwellenwert für Markensuchen bewusst gesenkt hat oder ob die im Mai 2026 angekündigte Zusammenführung von KI-Übersicht und KI-Modus den Effekt auslöst. Google hat sich zu beidem nicht geäußert.
Datensatz drei: Das Unternehmensprofil wird zur KI-Übersicht
Am 16. September zeigte der Local-SEO-Berater Ben Fisher auf LinkedIn einen Screenshot, den Barry Schwartz von Search Engine Roundtable am 17. September aufgriff und mit dem Eintrag seiner eigenen Firma nachstellte. Auf dem Smartphone trug der Infokasten eines Betriebs, in dem sonst Adresse, Öffnungszeiten und Bewertungen stehen, oben die Kennzeichnung „AI Overview“. Darunter ein von der KI geschriebener Absatz über das Unternehmen, dann ein Knopf „Show more“, der nicht den Text aufklappt, sondern in den KI-Modus führt. Schwartz stellte fest, dass die KI seine Leistungen aus veralteten Texten seiner Website beschrieb. Eine Abschaltmöglichkeit für Inhaber gibt es nicht, Google hat den Test nicht kommentiert.
Das ist der Teil, der kleine Betriebe direkt betrifft. Bei einer Suche nach „Müller Sanitär Augsburg“ ist der Infokasten das, was der Kunde zuerst sieht. Wenn dort künftig ein KI-Text steht, entscheidet nicht mehr der Inhaber, welche Leistungen zuerst genannt werden.
Ergänzend dazu die BrightLocal-Studie vom 16. September über 200.085 lokale Suchanfragen ohne Markenbezug, gestellt an ChatGPT, Googles KI-Modus und die KI-Übersichten für rund 1.300 Standorte: Von den 116.000 zitierten Domains waren 93 Prozent Websites einzelner Betriebe, und diese stellten 42 Prozent aller 1,97 Millionen Zitate. Das Unternehmensprofil kam auf gut 28 Prozent, Yelp auf gut 8 Prozent. Wer dieselbe Frage mehrfach stellt, bekommt nur zu 20 bis 33 Prozent dieselben Betriebe genannt. Für den Markentext zieht Google Drittquellen heran, für die lokale Empfehlung die Website des Betriebs. Beides muss stimmen.
Was davon für Deutschland gilt
Alle drei Beobachtungen stammen aus den USA oder sind dort am deutlichsten. Google rollt neue Suchfunktionen dort zuerst aus; nach meiner Erfahrung mit den KI-Übersichten selbst, die in den USA im Mai 2024 und in Deutschland im Mai 2025 starteten, liegt der Vorlauf zwischen einem halben und einem ganzen Jahr. Die Infrastruktur ist dieselbe, und die deutschen Zahlen zeigen, dass sie hier bereits greift.
SISTRIX hat am 25. Februar 2026 über 100 Millionen deutsche Keywords ausgewertet: Bei rund 20 Prozent erscheint eine KI-Übersicht, in 78,6 Prozent der Fälle oberhalb der organischen Treffer. Die Klickrate auf Platz 1 fällt von 27 Prozent ohne auf 11 Prozent mit KI-Übersicht. Ahrefs Deutschland nannte im September 2026 für Keywords mit mindestens 100 Suchen im Monat einen Anteil von 24 Prozent, bei informationsorientierten Fragen 31 Prozent. Beide Werte liegen unter den US-Quoten, aber die Klickverluste sind bereits messbar.
Den Knowledge-Panel-Test habe ich bis zum 7. Oktober 2026 in Deutschland nicht gesichtet, auch in den deutschen und europäischen Fachmedien gibt es keine Meldung dazu. Das Gleiche galt vor einem Jahr für die KI-Übersichten in lokalen Suchen. Die Vorbereitung dauert länger als der Rollout.
Für ein Unternehmen, das jemand namentlich sucht, bedeutet die US-Entwicklung Folgendes: Der Kunde, der die Firma schon kennt, etwa aus einer Empfehlung oder vom Firmenwagen, bekommt als Erstes nicht die Website, sondern Googles Zusammenfassung. Was darin steht, hat das Unternehmen nur mittelbar in der Hand. Woran es liegt, wenn eine Marke in KI-Antworten fehlt oder falsch beschrieben wird, habe ich in Marke in KI-Antworten unsichtbar aufgeschlüsselt.
Markensuchen in der Search Console überwachen
Bevor Sie irgendetwas optimieren, brauchen Sie eine Nulllinie. Die Search Console liefert sie, wenn Sie drei Dinge einrichten.
Erstens: Markensuchen vom Rest trennen. Im Leistungsbericht unter „Suchanfragen“ den Filter „Benutzerdefiniert (Regex)“ wählen und alle Schreibweisen des Firmennamens eintragen, etwa müller sanitär|mueller sanitaer|müller-sanitär. Den Zeitraum auf 16 Monate stellen und die Kurven für Klicks, Impressionen und Klickrate exportieren. Dieselbe Regex mit „stimmt nicht überein“ liefert den Nicht-Marken-Traffic zum Vergleich. Entscheidend ist die Klickrate der Markensuchen: Sie liegt bei intakten Marken-SERPs typisch deutlich über der aller anderen Suchanfragen. Fällt sie bei gleichbleibenden Impressionen, hat sich über dem Eintrag etwas verändert.
Zweitens: den Bericht zu generativen KI-Funktionen lesen. Seit dem 31. August 2026 zeigt die Search Console für alle Properties weltweit einen eigenen Bericht zu Impressionen in KI-Übersichten und KI-Modus, aufgeschlüsselt nach Seiten, Ländern, Geräten und Tagen. Er enthält keine Klicks und keine Suchanfragen; eine Impression wird nur gezählt, wenn ein Link auf Ihre Seite in der KI-Antwort erscheint. Für Markensuchen heißt das: Steigen dort die Impressionen Ihrer Startseite oder Über-uns-Seite, zitiert Google Sie im Markentext. Bleiben sie bei null, während die Klickrate der Markensuchen fällt, beschreibt Google Ihre Firma aus Drittquellen.
Drittens: die Übersicht selbst dokumentieren. Einmal im Monat den Firmennamen auf dem Smartphone suchen, einmal angemeldet und einmal im privaten Fenster, Screenshot und Wortlaut ablegen. Das ist Handarbeit, aber die einzige Methode, mit der Sie den Text sehen, den Google über Sie schreibt. Rank-Tracker, die KI-Übersichten erkennen, liefern die Quote, nicht den Inhalt. Wer mehrere Standorte oder Kunden betreut, legt dafür eine Tabelle mit Datum, Gerät, Übersicht ja/nein, zitierten Quellen und Fehlern an.
Mit dieser Nulllinie erkennen Sie den Moment, in dem der Knowledge-Panel-Test Deutschland erreicht, am Tag selbst statt Monate später an den Umsatzzahlen.
Welche Stellhebel es gibt
Es gibt keinen Schalter, aber es gibt das Rohmaterial. Die KI schreibt aus dem, was sie findet, und die Ahrefs-Zahlen sagen, wo sie zuerst sucht.
- Über-uns- und Leistungsseiten bereinigen. Genau diese Seiten zitierte Google in den beobachteten Fällen. Veraltete Leistungen streichen, Zeiten und Einzugsgebiet mit der Wirklichkeit abgleichen, den ersten Absatz jeder Seite so schreiben, dass er für sich allein steht: wer, wo, was, für wen. Sprachmodelle übernehmen am liebsten Sätze, die sie unverändert verwenden können.
- Die Beschreibung im Unternehmensprofil selbst ausfüllen. Ein vollständiger, nüchterner Absatz mit Firmenname, Ort, Leistungen und Einzugsgebiet gibt der KI eine Vorlage. Leere Felder füllt sie aus Drittquellen.
- Drittquellen pflegen, die Google tatsächlich zitiert. Wikipedia ist für einen kleinen Betrieb keine Option, LinkedIn und YouTube schon: eine gepflegte Firmenseite mit derselben Beschreibung wie auf der Website, ein kurzes Vorstellungsvideo mit Firmenname und Leistungen im Titel. Dazu Handwerksrolle, Branchenverzeichnisse, Kammer und Lokalpresse mit identischen Angaben.
- Bewertungen beantworten. Eine unbeantwortete Zwei-Sterne-Bewertung mit konkreter Beschwerde ist für ein Sprachmodell ein zitierfähiger Fakt. Eine sachliche Antwort des Inhabers steht gleichwertig daneben.
- Den Markennamen vereinheitlichen. „Müller Sanitär GmbH“, „Sanitär Müller“ und „Müller Haustechnik“ sind für ein Modell drei Firmen. Eine Schreibweise überall, auf Website, Profil, Rechnungen, Fahrzeugen und in der Signatur.
Zum Opt-out-Schalter, den Google seit dem 31. August 2026 in der Search Console anbietet: Er nimmt Ihre Website aus allen generativen KI-Funktionen heraus, Ihre Firma aber nicht. Die Markenübersicht entsteht dann vollständig aus Drittquellen, und Sie verlieren die Impressionen, an denen Sie erkennen würden, was Google schreibt. Für Markensuchen ist der Schalter deshalb die falsche Antwort.
Was man sich sparen kann
Ein eigenes Dateiformat für KI, Textbausteine mit Firmennamen in jedem Satz oder ein Dienst, der verspricht, die Zusammenfassung zu steuern: Nichts davon hat eine belegte Wirkung auf den Markentext. Google schreibt in seiner Dokumentation, dass für KI-Übersichten und KI-Modus keine zusätzlichen technischen Anforderungen gelten. Wer indexiert ist, ein gepflegtes Profil hat und auf der Website und in den Drittquellen gleichlautend sagt, was er tut, hat alles getan, was derzeit nachweislich zählt. Die weiterführenden Maßnahmen für KI-Antwortmaschinen beschreibe ich unter GEO und AEO.
Die Verschiebung ist trotzdem grundsätzlich. Bisher entschied der Betrieb, was ein Kunde bei der Suche nach seinem Namen zuerst sieht. Künftig entscheidet das ein Modell, auf Basis dessen, was im Netz über ihn steht. Das ist weniger eine technische Aufgabe als eine redaktionelle: das eigene Unternehmen so zu beschreiben, dass eine Maschine es richtig wiedergeben kann. Und es ist eine Messaufgabe, die heute beginnt, nicht erst, wenn die Klicks fehlen.
Quellen
- Ahrefs, Ryan Law: AI Overviews Currently Appear for 83% of Branded Searches (02.10.2026)
- DemandSphere, Ray Grieselhuber: AI Overviews on branded queries tripled in September (01.10.2026)
- Search Engine Roundtable, Barry Schwartz: Google Local Knowledge Panel Now An AI Overview (17.09.2026)
- BrightLocal: Local AI Visibility Study (16.09.2026)
- SISTRIX, Johannes Beus: AI Overviews in Germany, 100 Millionen Keywords (25.02.2026)
- Ahrefs Deutschland: AI Overviews Opt-out, Anteil deutscher Keywords mit KI-Übersicht (15.09.2026)
- Google Search Central: Search Generative AI performance reports in Search Console (03.06.2026, weltweit seit 31.08.2026)
- Google Search Central: AI features and your website
Kurz beantwortet
Erscheint in Deutschland schon bei Markensuchen eine KI-Übersicht?
Bei einzelnen Marken ja, aber nicht in der US-Quote. SISTRIX misst für Deutschland rund 20 Prozent aller Keywords mit KI-Übersicht, Ahrefs 24 Prozent. Eine eigene Auswertung für Markensuchen in Deutschland gibt es bisher nicht. Prüfen Sie Ihre eigene Marke mobil und beobachten Sie die Klickrate in der Search Console.
Kann ich verhindern, dass Google meinen Firmennamen mit KI erklärt?
Nein. Der Opt-out in der Search Console nimmt nur Ihre Website aus den KI-Funktionen, nicht Ihre Firma. Google schreibt den Text dann aus Drittquellen. Sie können nur beeinflussen, was er findet: Website, Unternehmensprofil, LinkedIn, Verzeichnisse und Bewertungen mit gleichlautenden Angaben.
Woran erkenne ich, dass die KI-Übersicht meiner Marke schadet?
An der Klickrate der Markensuchen in der Search Console. Fällt sie bei gleichbleibenden Impressionen, steht über Ihrem Eintrag etwas Neues. Der KI-Bericht zeigt zusätzlich, ob Google Ihre Seiten im Markentext zitiert oder nur fremde Quellen.
Konrad Griesser
Webdesigner & SEO-Experte aus Augsburg — seit 1999