Ein Backup, das keins war, und ein paar Jahre Texte, die ich nie wieder gefunden habe. Eine Geschichte über Selbstüberschätzung.


Ich erzähle diese Geschichte nicht gern, aber sie gehört hierher, weil sie erklärt, warum in meinem Archiv eine Lücke klafft, die eigentlich keine sein sollte. 2019 ist mir ein Server ausgefallen, auf dem ich damals nebenbei ein paar eigene Projekte gehostet hatte, unter anderem einen alten Blog, in dem ich seit etwa 2014 über Suchmaschinen, Nutzerverhalten und die ersten Gehversuche von so etwas wie automatisierter Texterstellung geschrieben hatte.
Das Backup, auf das ich mich verlassen hatte, lief seit Monaten nicht mehr durch. Ein stiller Cron-Job-Fehler, den niemand bemerkt hat, weil niemand hingeschaut hat. Klassiker. Ich habe damals tagelang versucht, wenigstens Teile über die Wayback Machine zu retten, und ein paar Fragmente habe ich tatsächlich gefunden. Aber der Großteil ist weg.
Was mich am meisten ärgert, ist nicht der Verlust an sich, sondern dass ich mich genau in dieser Zeit intensiv mit einem Thema beschäftigt hatte, das heute plötzlich in aller Munde ist: wie Suchmaschinen Inhalte nicht mehr nur nach Keywords, sondern nach Bedeutung bewerten. Ich hatte damals Notizen zu „semantischer Suche" und dazu, wie Google anfing, Entitäten statt nur Zeichenketten zu verstehen. Vieles davon würde ich heute unter GEO einordnen, bevor es dieses Wort überhaupt gab.
Die Lehre daraus ist unspektakulär, aber ich sage sie trotzdem jedem Kunden: Ein Backup, das man nicht getestet hat, ist kein Backup. Es ist eine Hoffnung. Seit 2019 teste ich jedes Backup-System, das ich für Kunden einrichte, tatsächlich durch eine echte Wiederherstellung, nicht nur durch einen grünen Haken im Dashboard.
Und ja, ich schreibe seither vieles noch einmal auf. Nicht aus Nostalgie, sondern weil ich merke, dass die Gedanken von damals gerade jetzt wieder relevant werden.
Webdesigner & SEO-Experte aus Augsburg — seit 1999