Technik & WordPress

Full Site Editing im Alltag: Was Sie selbst pflegen können – und wo besser die Finger weg

Der Site-Editor lässt sich fast überall anfassen. Welche Bereiche Kunden gefahrlos selbst ändern und welche lieber nicht.

📅 ✍️ Von Konrad Griesser
Full Site Editing im Alltag: Was Sie selbst pflegen können – und wo besser die Finger weg

Seit WordPress mit Block-Themes arbeitet, können Kunden im Site-Editor nicht nur Texte und Bilder ändern, sondern auch Kopfzeile, Fußzeile und ganze Vorlagen anfassen. Das ist praktisch – und genau deshalb riskant. Ich lege bei jedem WordPress-Projekt eine klare Grenze fest: Was gehört in die Hände des Kunden, und was bleibt bei mir oder bleibt ganz unberührt. Diese Grenze verläuft nicht entlang von „schwierig“ oder „einfach“, sondern entlang dessen, was sich bei einem Fehler wieder reparieren lässt und was nicht. Ob ein Block-Theme für ein Projekt überhaupt die richtige Wahl ist, hatte ich im Beitrag Block-Theme oder klassisches Theme eingeordnet.

Was der Site-Editor technisch erlaubt

Ein Block-Theme besteht aus Vorlagen (Templates) für Startseite, Beitrag, Seite oder Archiv und aus Vorlagen-Teilen für wiederkehrende Bereiche wie Kopf- und Fußzeile. Alle diese Bausteine liegen im Site-Editor unter „Design → Editor“ offen und lassen sich mit denselben Werkzeugen bearbeiten wie ein normaler Beitrag. Wer in WordPress Administrator-Rechte hat, kommt an jede dieser Ebenen heran – ohne Warnhinweis, ohne Bestätigungsdialog. Ein verschobener Block in der Kopfzeile wirkt sich sofort auf jede einzelne Seite der Website aus, weil die Kopfzeile ein gemeinsamer Vorlagen-Teil ist und keine Kopie je Unterseite.

Was Kunden gefahrlos selbst pflegen können

Die normale Beitrags- und Seitenbearbeitung bleibt unverändert und ist der Bereich, den ich Kunden ohne Bedenken überlasse:

  • Texte in bestehenden Beiträgen und Seiten ändern, solange die vorhandene Blockstruktur erhalten bleibt
  • Bilder austauschen, wenn Format und Seitenverhältnis zum Platz passen
  • Neue Blogbeiträge anlegen, in denen eine zuvor freigegebene Vorlage bereits die Struktur vorgibt
  • Inhalte innerhalb synchronisierter Muster bearbeiten, sofern das Muster nur für diesen einen Einsatz gedacht ist

In all diesen Fällen bleibt die Website-Struktur unberührt. Geht ein Text verloren oder ein Bild wird falsch zugeschnitten, ist der Schaden lokal und über die Revisionsverwaltung in wenigen Klicks rückgängig zu machen.

Wo es teuer wird

Drei Bereiche führen in der Praxis regelmäßig zu Notrufen, weil eine kleine Änderung die ganze Website betrifft:

  • Vorlagen-Teile. Wird ein Block in der Kopf- oder Fußzeile verschoben oder gelöscht, verschwindet er auf jeder Seite der Website gleichzeitig – nicht nur dort, wo gerade gearbeitet wurde.
  • Globale Stile. Über „Design → Stile“ lassen sich Grundfarben, Schriftgrößen und Abstände für die gesamte Website ändern. Eine neue Akzentfarbe wirkt sich auf Buttons, Links und Rahmen überall aus, nicht nur auf der Seite, die gerade bearbeitet wird.
  • Der Navigationsmenü-Block. Anders als im klassischen Menü-Bereich unter „Design → Menüs“ liegt die Navigation jetzt als eigener Block in der Kopfzeile. Ein versehentlich gelöschter Menüpunkt lässt sich zwar über die Blockrevisionen des Vorlagen-Teils wiederherstellen, aber nur, wer weiß, wo diese Revisionen zu finden sind.

Hinzu kommt die Datei theme.json, die festlegt, welche Farben, Schriftgrößen und Abstände im Editor überhaupt zur Auswahl stehen. Sie liegt im Theme selbst und ist für Redakteure nicht direkt sichtbar – trotzdem bestimmt sie, wie eng oder weit die Grenzen sind, innerhalb derer sich der Site-Editor überhaupt bewegen lässt.

Wie ich das in der Praxis regle

Ich vergebe grundsätzlich keine Administrator-Rolle an Kunden, die regelmäßig nur Inhalte pflegen. Die Rolle „Redakteur“ reicht für Beiträge und Seiten aus und blendet den Site-Editor komplett aus – wer ihn nicht sieht, kann dort auch nichts verstellen. Braucht ein Kunde tatsächlich Zugriff auf Design-Einstellungen, grenze ich die Bearbeitung mit einem Plugin für Block-Rechte auf einzelne Bereiche ein, etwa nur auf Farben innerhalb der vorgegebenen Palette. Bei kleineren Projekten ohne eigenes Rechte-Plugin reicht oft schon ein kurzes Gespräch: Ich zeige einmal, wo die Kopf- und Fußzeile im Editor liegen, und bitte darum, diese beiden Bereiche nicht anzufassen. Das ersetzt keine technische Absicherung, verhindert in der Praxis aber die meisten versehentlichen Änderungen, weil Kunden dann wissen, dass dort etwas Globales passiert und nicht nur eine einzelne Seite betroffen ist.

Wichtig ist außerdem ein funktionierendes Backup mit Wiederherstellungspunkt vor jeder größeren Umbauaktion – unabhängig davon, ob ich selbst arbeite oder ein Kunde. Die Revisionsverwaltung in WordPress deckt einzelne Blöcke ab, aber kein komplettes Zurückspielen des Theme-Zustands von vor einer Stunde. Grundsätzliche Fragen rund um Pflege und Betrieb einer Website sammle ich im Webdesign-Wissen.

Kurz beantwortet

Darf ein Kunde den Site-Editor überhaupt nutzen?

Ja, wenn die Rolle und die Rechte vorher bewusst festgelegt wurden. Ohne Einschränkung sehe ich davon ab, weil Vorlagen-Teile und globale Stile die ganze Website gleichzeitig verändern.

Was mache ich, wenn die Kopfzeile versehentlich kaputtgegangen ist?

Im Site-Editor den betroffenen Vorlagen-Teil öffnen und über das Uhrsymbol die Blockrevisionen aufrufen. Dort lässt sich der Stand vor der Änderung wiederherstellen, sofern WordPress die Revision gespeichert hat.

Reicht die Rolle „Redakteur“ für den Alltag aus?

Für die meisten Websites ja – Beiträge, Seiten und Medien lassen sich vollständig pflegen, der Site-Editor mit Vorlagen und globalen Stilen bleibt aber verborgen und damit unangetastet.

Konrad Griesser

Konrad Griesser

Webdesigner & SEO-Experte aus Augsburg — seit 1999

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